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Iveco Daily 4x4, Hunde und multithematisches Blog - Bernhard Albicker

Drehstabfederung - Basisfahrzeug Iveco Turbo Daily 4x4

Inhalt:

Prinzip

Eine Drehstabfeder, auch Torsionsstab oder auch nur Drehstab genannt, ist ein Stab mit fester Einspannung an beiden Enden, wobei die befestigten Bauteile gegeneinander eine Schwenkbewegung um die Drehachse ausführen können. Die Drehstabfeder dient vor allem im Automobilbau als kostengünstiges Federelement.
Um unerwünschte Biegungen der Feder zu vermeiden, wird häufig auf der Drehseite ein Stützlager montiert. Der maximale Drehwinkel ist von der Länge des Drehstabs und der Elastizität des Federstahls abhängig. Längere Drehstäbe erlauben wegen der größeren Drehwinkel längere Federwege am Hebel der Drehseite. Bei Belastung verdreht sich der Stab um seine Längsachse. Die besonders aus dem Fahrzeugbau bekannten Torsionsfedern bestehen meist aus massiven Rundstäben oder Paketen von flachen Bändern aus Federstahl.
Quelle: Wikipedia

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Ausführung beim Daily

Der Drehstab besteht aus einem 31mm starken und 1,18m langen (Arbeitslänge) Federstahlrundstab, der an der Außenseite des Leiterrahmens von der hinteren starren Lagerung auf Höhe der Rückwand der Fahrerkabine (Einzelfahrerhaus) nach vorn verläuft. Die bewegliche Lagerung ist durch den oberen Querlenker geführt, der die Federkraft in die Radaufhängung/Achsschenkel überträgt. Zur Führung des Drehstabes (d. h. um sicherzustellen, daß dieser sich nur dreht und nicht anderweitig verbiegt) ist dieser unmittelbar vor und hinter dem oberen Querlenker durch Metall-Gummi-Lager in der Achsbefestigung am Rahmen geführt.

Bei manchen Drehstabfederachsen kann durch Stellelemente an der fest eingespannten Seite der Feder die Vorspannung (Porsche 356, BMW 501502) und damit die Bodenfreiheit des Fahrzeugs justiert werden.

Quelle: Wikipedia

Dazu gehört auch die Torsionsstabfederung beim Daily.
In der hinteren starren Befestigung befindet sich ein Vierkant-Metallprofil, in dem die hintere Verzahnung des Drehstabes steckt. Dieses Metallprofil ist schwenkbar am Rahmen befestigt und kann über eine kräftige Schraube in der Neigung gegen die Horizontale verändert werden.


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Austausch der Drehstablagerung

Symptomatik

Die Gummieinlagen der Metall-Gummi-Lager in der Führung des Drehstabes verschleißen im Laufe der Zeit. Dadurch wandert der Drehstab aus seiner mittigen Lage nach oben aus (roter Pfeil), ebenso wandert der obere Querlenker (grüner Pfeil) aus seiner Solllage aus, er wird nicht mehr sauber geführt (Spiel) und die Lenkgeometrie ändert sich.


Bei Verschleiß der Drehstablager in einem Ausmaß wie auf dem obigen Bild tritt als Folge Reibung zwischen dem oberen Querlenker (linkes Bild, gut zu sehen der metallisch blanke Bereich am oberen Bereich der Rundung) sowie dessen Aufnahme (rechtes Bild, hier sind ebenfalls blanke Bereiche im Hintergrund zu sehen) und damit einhergehend entsprechender Verschleiß (Materialabtrag) auf.


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Schrauben …

Arbeitsschritte Demontage (rechte Fahrzeugseite)

Rad und Stoßdämpfer demontieren.
Fahrzeug mittels Wagenheber soweit anheben, daß ein Stützbock unter die Ecke des Unterfahrschutzes gestellt werden kann und nach dem Ablassen die Radaufhängung so entlastet wird, daß die Drehstabfeder keine Spannung mehr aufweist. In dieser Lage die Radaufnahme abstützen mit einem zweiten Stützbock (Bild).
Gummihohlfeder oberhalb des oberen Querlenkers ausbauen.


Oberes Traggelenk mit Zugringschlüssel SW27 losschrauben und auspressen, damit der obere Querlenker freikommt


Tank und vordere Tankkonsole demontieren.
Auspufftopf demontieren

Oberen Stabilisatorarm (“Zuganker”) losschrauben. Diesen nicht einfach nach vorne schwenken, sonst kann die Manschette am Kugelgelenk beschädigt werden. Deshalb Kugelgelenk auspressen und Arm weglegen.

Hintere Halterung des Drehstabes komplett vom Rahmen losschrauben. Die 3 Schrauben auf der Hinterseite (von außen nach innen, die beiden oberen SW19, unten SW22) lassen sich einfach mittels Schlagschrauber rausdrehen, von den drei Schrauben auf der Vorderseite läßt sich die oberste genauso entfernen, die beiden unteren sind von innen nach außen verschraubt und lassen sich von innen nur mittels stabiler Ratsche und ebenso stabilem Gelenk lösen. Für das Gegenhalten von außen benötigt man für die untere (SW22) Mutter einen schmalen Gabelschlüssel, um damit zwischen Konsole des Fahrerhauses und dem Drehstab die Mutter zu erreichen.

Die Drehstabhalterung läßt sich zwar demontieren ohne die Vorspannschraube zurückzudrehen (d. h. den Drehstab spannungslos zu machen), aber nicht wieder montieren.


Splint am vorderen Ende des Drehstabes entfernen, Kronenmutter rausdrehen und für den Beginn des nachfolgenden Arbeitsschrittes umgekehrt auf das Gewindeende wieder aufschrauben.

Zum Ausbau des Drehstabes wird dieser (fast) ohne Hämmern hydraulisch mit ‘nem kleinen Wagenheber rausgedrückt. Es hilft, wenn man das hintere Ende so unterstützt, daß der Stab quasi in Original-Lage nach hinten rutschen kann, das heißt, er nicht nach unten hängt und dadurch verkantet.
Hat sich der Drehstab gelöst und bewegt, können die Kronenmutter sowie die große Scheibe entfernt werden.


Die innere Hülse und die Reste der Gummieinlage kommen mit dem ausgebauten Drehstab zum Vorschein.


Die Überreste der Metall-Gummi-Lager des Stabes (also die äußere Metallhülse) werden in Fahrzeuglängsrichtung eingesägt, daß die Spannung weg ist (vorsicht, nicht zu tief sägen, sonst wird der Sitz der Lager beschädigt), dann sind sie einfach mittels Meißel und einem kurzen Stück Rohr rauszutreiben.


 

Montage

Das Bild zeigt die auf dem Drehstab montierten Teile um den Querlenker im ausgebauten Zustand


Hier die Hilfsvorrichtung zur Montage (Einpressen) der Federhülse (Metall-Gummi-Element): M14-Gewindestange mit 3 Alu-Rundtellern. Dabei ist es wichtig, daß die Federhülse beidseitig von einem Metallteller gestützt wird, um zu verhindern, daß die innere Metallhülse mit dem Gummielement in Zugrichtung durch die äußere Metallhülse quasi “durchgezogen” werden kann


Das Ganze in “Einbaulage”:
Durch Drehen der rechten Mutter (Gegenhalten an der linken Seite an den beiden gekonterten Muttern) kann die Federhülse in den Sitz (vorher fetten) gezogen werden. Sollte die Federhülse verkanten, die Vorrichtung entfernen und mit ein paar leichten Hammerschlägen wieder ausrichten.
Anm.: die im Bild im Vordergrund sichtbare kurze M16-Gewindestange mit den beiden Muttern dient als “Spreizer” (zur Sicherheit)


Das Endergebnis:
Die beiden fertig montierten Federhülsen.


 

Abweichungen linke Fahrzeugseite

Anstatt des Aufpufftopfes stört hier der Antriebskasten der vorderen Differentialsperre bei der Demontage der hinteren Drehstabbefestigung.

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Teileliste
(Soweit nicht anders vermerkt, gelten die Angaben für die Daily-Baureihe ab 1996 mit 2,8l-Motor)

Alle Teile werden je 2x benötigt

Bezeichnung Teile-Nummer Preis/Eur, netto
Federhülse 60143420 42,03
Federhülse 60143421 43,71
Stützring 4385329 9,31
Ring 60143429 16,63
Kronenmutter 17072331 4,53

Netto-Preise Deutschland Stand 04/2010


 

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zuletzt geändert am: 02.07.2010