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Palmer, der SWR und der 'pöhse SUV' - ein Faktencheck

veröffentlicht am 02.03.2023 mit 752 Worten - Lesezeit: 4 Minute(n) in * GEBRABBEL *

Inhaltsverzeichnis

 

Der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, ist ja dafür bekannt, daß er gerne “einen raushaut” … und offenbar ist der SWR dann dankbar dafür, wenn er das zum Anlaß nehmen kann, einen schön tendenziösen Bericht mit jeder Menge Suggestivfragen an Passanten stricken zu können …

Beitrag im SWR

Hier also zunächst der Bericht selbst - die Tendenz ist schon aus dem Titel deutlich zu erkennen:

Mein erster Eindruck war:
Wie immer … schön am Thema vorbei, der Bericht - Hauptsache Framing.
Denn: sollen die Hersteller halt mal die ganze Elektronik und Airbags und … ausbauen, dann haben die Kisten auch wieder Käfer-Maße.

Aber wenn wir ehrlich sind: wer will mit sowas heute rumfahren (außer ein paar Oldtimer-Fans und Puristen)?

Faktencheck

Lieber SWR!
Ich würde mich freuen, wenn außer Polemik auch mal Fakten in solchen Berichten vorkämen.
Da gibt es z. B. die sog. “Kompakt-Klasse”, auch “Golf-Klasse” genannt. Hat sich da je mal jemand drüber aufgeregt?

Größenentwicklung in der Kompaktklasse

Zitat aus dem Beitrag:

Doch über die Zeit hat die Größe stetig zugenommen. In den 90er Jahren war ein Auto im Durchschnitt noch 1,68 Meter breit. Heute, 30 Jahre später, hat ein Auto im Schnitt schon eine Breite von 1,80 Meter.

Und nun betrachten wir uns einfach mal die Entwicklung des Hauptvertreters dieser Klasse in den letzten 40 Jahren:

Maß/mm Golf 2 Golf 6 Differenz
Länge 3985 4199 +214
Breite (ohne Außenspiegel) 1665 1786 +121
Höhe 1415 1480 +65

Aha, in jeder Richtung gewachsen … gut 5% in der Länge, über 7% in der Breite …

Und - ganz wichtig: für die im Beitrag genannte Veränderung der Maße brauchen wir gar keine SUVs - das kann die Kompaktklasse für sich ganz alleine: die Breite des Golf 2 liegt 15mm unter den genannten 1,68m für die neunziger Jahre, die Breite des Golf 6 liegt nur 14mm unter dem Maß für heute.

Der pöhse SUV im Vergleich

Wir sind uns wahrscheinlich einig, daß der typische Golf-Fahrer eher nicht in die Mercedes-G-Klasse umsteigt.

Also auch hier wieder ein Faktencheck anhand der Maße. Und weil ich aktuelle Modelle vergleiche, nehme ich den ebenso aktuellen Golf 6 als Maßstab (der soll ja “kompakt” sein, wie die Klassenbezeichnung sagt):

Beispiel 1:

Maß/mm Golf 6 Ford EcoSport Differenz
Länge 4199 4096 -93
Breite (ohne Außenspiegel) 1786 1765 -21
Höhe 1480 1627 +147

In den hier diskutierten Maßen bzgl. des Parkplatzproblems (also Länge und Breite) ist der SUV definitiv kleiner als der Golf. Und die Höhe ist immer noch gut parkhaustauglich.

Beispiel 2:

Maß/mm Golf 6 Suzuki Vitara Differenz
Länge 4199 4170 -29
Breite (ohne Außenspiegel) 1786 1775 -11
Höhe 1480 1595 +115

Auch hier: Shit happens … auch der Vitara ist (ein bißchen) kleiner als der Golf als Maß der Kompaktklasse. Dafür können dort großgewachsene Leute >60 Jahre auch ohne Kreuzverkrümmung Platz nehmen …

Beispiel 3:

Maß/mm Golf 6 Toyota Yaris Cross Differenz
Länge 4199 4096 -103
Breite (ohne Außenspiegel) 1786 1765 -21
Höhe 1480 1627 +147

Auch der Toyota ist in den relevanten Abmessungen kleiner!

Und, und, und …

P.S.: wenn Ihr, lieber SWR, mal wieder ’n Feindbild sucht: wie wäre es mit der Oberklasse in Form von Mercedes S und E, BMW 5er und 7er, Audi A8 etc.?
Geht nicht? Fährt der Intendant? Aber mal ganz ehrlich: die sind ganz sicher größer als die hier besprochenen Fahrzeuge. Und die Klientel, die solche Fahrzeuge fährt, dürfte diejenige sein, die später im Leben dann einen Mercedes M-Klasse, einen BMW X7 oder Audi Q8 - und wie die Monster alle heißen - fährt; wäre also dieselbe Zielgruppe.

(Die in den Tabellen genannten Maße habe ich hier entnommen: https://carwiki.de/)

Fazit

Vor Jahren hatte ich mal ein Rücken-Problem. Zufällig hatte ich zu diesem Zeitpunkt zwei Pkws im Hof stehen: meinen alten (zum Verkauf stehenden) Golf 2 (inzwischen 31 Jahre alt) sowie einen neuen Renault Kangoo.
Während ich in dieser Phase in den Golf nicht einmal einsteigen konnte, bin ich mit dem Kangoo locker und entspannt zu meinen Physiotherapie-Terminen gefahren.

Was will ich damit sagen?

Es ist heutzutage modern, sich über LBGTxxxxxxxxx etc. zu jeder Gelegenheit auszulassen. Das Stichwort dazu heißt: Inklusion.
Senioren beispielsweise werden aber nur dann zum Thema, wenn man die demografische Entwicklung mal wieder zum Anlaß nehmen will, beim “kleinen Mann” soziale Einschnitte vornehmen zu können.

Inklusion heißt für mich auch, den körperlichen Einschränkungen dieser Bevölkerungsgruppe Rechnung zu tragen und zu akzeptieren, wenn sie aus der Palette der angebotenen Fahrzeuge die ergonomische Variante wählen.
(Die Klimaapostel würden wahrscheinlich verlangen, daß dieser Personenkreis gefälligst Lastenfahrrad fahren oder zu Hause bleiben soll …).

 


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