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Iveco Daily 4x4, Hunde und multithematisches Blog - Bernhard Albicker

Warum eine neue/andere Linux-Distribution?

veröffentlicht am 20.11.2018 mit 639 Worten - Lesezeit: 3 Minute(n)

Im Großen und Ganzen liefen meine Rechner unter Linux Mint zuverlässig und schnell. Erst in letzter Zeit hatte ich mir durch den Kauf einer nvidia 1050GTX-Grafikkarte eine Quelle des Ärgernisses eingehandelt.

Hardware-Problem

Das Hauptproblem war: ich wollte diese Karte nutzen, um mittels openCL die Bearbeitung von Bildern in darktable und auch im neuen Gimp 2.10 deutlich zu beschleunigen. Aber: wenn der Rechner in einer Arbeitspause in Bereitschaft (suspend-to-ram) ging, dann stürzte nach dem Wiederaufwecken nach kurzer Zeit die Grafikbeschleunigung so ab, daß der Rechner zwar weiter benutzbar war, die Funktion selbst konnte aber nur durch Neustart wieder aktiviert werden. Unterschiedliche Kernel und Grafiktreiber führten zu keiner Besserung, aber die mußte ich auch aus unterschiedlichen Quellen zusammenstricken - ohne Garantie, ob das überhaupt alles so zusammenpaßt.

Anwendungsproblem

Ein weiteres Problem war: Meine Hauptanwendung für Fotozwecke ist darktable. Das darktable-Entwicklerteam unterstützt bei neuen Versionen nur jeweils die letzte aktuelle LTS-Version von Ubuntu bzw. die letzte Hauptversion von LinuxMint. Das hatte eine Neuinstallation alle 2 Jahre zur Folge, mit dem ganzen damit verbundenen Aufwand.

Ein neuer Ansatz: Das “rolling release”

In der Software-Entwicklung gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Ansätze:

  1. Ein gegebener Entwicklungsstand wird veröffentlicht. Danach wird - quasi im stillen Kämmerlein - weiterentwickelt, bis dann nach einem mehr oder weniger großen Zeitabstand eine neue Version veröffentlicht wird. Diese neue Version enthält in der Regel viele und tlw. große Änderungen zur Vorversion. Ob sie durch eine Aktualisierung der bestehenden Version oder durch eine Neuinstallation in Betrieb genommen werden kann, hängt vom jeweiligen Anbieter und dessen Konzept ab. Aber auch wenn eine Aktualisierung möglich ist - nebenwirkungsfreier ist in der Regel die Neuinstallation. Beide Varianten erfordern aber einen gewissen Administrationsaufwand.
  2. Schon kleine partielle Aktualisierungen werden fortlaufend getestet und dann den Benutzern zur Verfügung gestellt. Das Gesamtsystem unterliegt also einer ständigen Evolution, man spart dem Anwender aber den Umgang mit Versionen und großen Änderungsschritten bzw. Neuinstallationen. Und weil man nicht an festgegebene Versionsveröffentlichungstermine gebunden ist, kann man neue Versionen von Anwendungssoftware ebenfalls zügig den Anwendern zur Verfügung stellen.
    Diese Vorgehensweise wird als rolling release bezeichnet, also ein fortlaufend rollierendes System.

Umsetzung der genannten Ansätze in den unterschiedlichen Linux-Distributionen

Das von mir bisher genutzte LinuxMint bzw. das zugrundeliegende Ubuntu Linux stellen alle zwei Jahre eine Hauptversion zur Verfügung, die dann jeweils 5 Jahre unterstützt, also mit Fehlerbeseitigungs- und Sicherheitsupdates versorgt wird.

Beim von mir in der Vergangenheit für meinen Media-PC zeitweilig genutzten Fedora liegen die Versionszeiträume bei 6 Monaten, wenn man mehr als 2 davon überspringt, ist ein Update prinzipiell nicht mehr möglich und man ist zur kompletten Neuinstallation gezwungen.

Die vielen Distributionen zugrundeliegende Basis Debian hat Release-Zeiträume von 2 Jahren. Das bezieht sich auf die jeweils als stable (stabil) bezeichnete Hauptversion. Die Entwicklung verläuft in zwei weiteren Zweigen: unstable (sid) beinhaltet neu aufgenommene oder neue (überarbeitete) Pakete, hier findet die aktive Weiterentwicklung statt. Von dort werden die Pakete in den Zweig testing verschoben, wo sie quasi in der Warteschlange für die nächste stabile Version stehen. Der Natur der Sache nach sind sid und testing rollierende Systeme, da an ihnen kontiniuierlich verbessert und aktualisiert wird. Alle zwei Jahre wird der aktuelle Stand von testing eingefroren und das nächste stable Release ausgekoppelt, bevor das dann wieder so weitergeht.

Ein von Grund auf als rolling release ausgelegtes System ist Arch Linux und auch das davon abgeleitete Manjaro. Im Arch-Wiki steht zum Thema

Aktualität
Arch Linux verwendet ein „gleitendes Veröffentlichungssystem“, das etwa so funktioniert: Das Core-Repositorium enthält immer die neusten und stabilsten Versionen der Pakete. Wenn ein Paket aktualisiert wurde, landet es, nach einer eventuellen (kurzen) Testing-Phase, in Core. Es werden regelmäßig Schnappschüsse von Core erstellt und als ISO-Abbild bereitgestellt. Mit diesem Abbild kann Arch Linux dann auf einem Rechner installiert werden.

Und so einen “Schnappschuss” habe ich mir jetzt mal auf einer leeren Festplatte eines Rechners installiert und werde damit mal versuchen, eine funktionierende vollständige Arbeitsumgebung hochzuziehen …