zur Startseite

Druckausgabe von https://privat.albicker.org
Iveco Daily 4x4, Hunde und multithematisches Blog

Die neue Linux-Distribution - ein 'Rolling-Release'?

veröffentlicht am 01.05.2020 mit 1326 Worten - Lesezeit: 7 Minute(n) in * LINUX *

Inhaltsverzeichnis

 

Es könnte so einfach sein: Da wird ein Betriebssystem einmal installiert, ab und an ist ein update fällig, aber im Prinzip läuft und läuft und läuft die Kiste ganz einfach …

Aber die harte Realität sieht anders aus: alle paar Monate bis Jahre ist eine Neuinstallation fällig, wenn man ein sauberes und stabiles System nutzen will. Aber halt - gab es da nicht den Begriff des ‘rolling release'?

Vorbetrachtungen

Echtes Rolling Release

Wikipedia definiert den Begriff so:

Rolling Release (englisch, aus to roll ‚rollen‘ und release ‚Veröffentlichung‘; sinngemäß „laufende Aktualisierung“) ist ein Begriff aus der Softwaretechnik im Bereich der Betriebssysteme und bedeutet, dass eine kontinuierliche Softwareentwicklung vorliegt. Bei einem Betriebssystem, das das Rolling-Release-Prinzip anwendet, gibt es keine Betriebssystem-Versionen, bei denen bei einem Versions-Upgrade eine große Menge an Software auf einmal aktualisiert wird. Die einzelnen Software-Pakete werden vielmehr immerfort aktualisiert.

Mehr dazu hatte ich bereits vor eineinhalb Jahren in einem Beitrag beschrieben.

Die Auswahl

Die Welt der Linux-Distributionen ist vielfältig. Distributionen kommen und gehen, manche sind Nischenprodukte, andere erreichen größere Popularität. Und weil ich im Zweifel froh bin, wenn ich in einer aktiven Community auch mal nachfragen kann, habe ich mich bei der Auswahl auch ein bißchen an DistroWatch und deren Zahlen orientiert. Daraus ergab sich:

Die Testkandidaten

Manjaro

Um es kurz zu sagen: das Problem sind die zur Verfügung stehenden Programme. Wer aus der Debian-Welt kommt, der empfindet die Auswahl an Programmen in den Manjaro/Arch Repositories durchaus als eingeschränkt.

Manjaro benutzt den Arch-Paketmanager Pacman, die Pakete sind in verschiedene Repositories (Core, Extra, Community) zugeordnet. Was dort nicht zu finden ist, kann evtl. über das sog. AUR (Arch User Repository) installiert werden, das ist vergleichbar mit den PPAs im Ubuntu/Mint-Umfeld, aber insoweit mühsamer, als es sich vielfach um Scripte handelt, die die Pakete erstmal noch “bauen” müssen.

Einen Vergleich zur Paketverfügbarkeit in den einzelnen Distributionen bietet diese Tabelle:

Zu guter Letzt: daß der Calamares-Installer, der auch hier (wie in Siduction auch) verwendet wird, die Benutzerrechte verwürfelt, das habe ich erst bei der nachfolgenden Installation von Siduction gemerkt - das Problem ist aber auch hier vorhanden.

Siduction

Hier bin ich schon bei der Installation gescheitert - dazu gibt es eine eigene Artikelreihe. Damit war die Distribution raus aus der Betrachtung.

Debian Sid

Die Installation mit dem Debian-Installer verlief problemlos, auch die Benutzer-Rechte im Home-Verzeichnis stimmten - im Gegensatz zu Siduction mit dem Calamares-Installer.

Die Probleme ergaben sich erst im weiteren Verlauf, Stand Mitte April 2020 nach etwas mehr als einem Vierteljahr, sieht das so aus:

Schlußfolgerungen

Nachdem also mit dem Debian Sid in Reinform so nicht (mehr) zu arbeiten war, bin ich zu folgender Überlegung gelangt:

Hier endet aber dann der ‘rolling-release’-Ansatz, alle 2 Jahre oder so wird Testing eingefroren und das nächst stabile Release ausgekoppelt. Daran ändert sich dann eben auch 2 Jahre wieder nichts.
Im Hinblick auf solche schnell-lebigen Programme wie darktable oder QMapShack, aber auch in Situationen wie PSD2 mit den Auswirkungen auf Finanzsoftware im letzten Jahr, ist das natürlich ein Nachteil.

In manchen Fällen können hier die sog. Backports helfen: aktuelle Versionen eines Programms werden, soweit es die abhängigen Programmbibliotheken zulassen, auf den letzten älteren stabilen Stand zurückportiert, also dort verfügbar gemacht. Das ist z. B. bei QMapShack, gnucash und aqbanking der Fall.

Also werde ich zunächst mit einem - wie ich es nenne - “semi-rolling-release” arbeiten.
Und deshalb sehen - nach einer Neuinstallation (die zum Glück sehr unaufwändig von statten geht) - meine Debian-Softwarequellen jetzt so aus:

~$ inxi -r
Repos:
  Active apt repos in: /etc/apt/sources.list 
  1: deb http://deb.debian.org/debian/ buster main contrib non-free
  2: deb-src http://deb.debian.org/debian/ buster main contrib non-free
  3: deb http://security.debian.org/debian-security buster/updates main contrib non-free
  4: deb-src http://security.debian.org/debian-security buster/updates main contrib non-free
  5: deb http://deb.debian.org/debian/ buster-updates main contrib non-free
  6: deb-src http://deb.debian.org/debian/ buster-updates main contrib non-free
  7: deb http://deb.debian.org/debian buster-backports main
  8: deb [ trusted=yes ] file:///var/local/repository ./

Und nun lasse ich erstmal wieder einige Zeit ins Land gehen, um abzuwarten, wie die Langzeiterfahrungen aussehen - und wie das nächste Versionsupdate vor dem Hintergrund des oben Gesagten gelingt. Weil diese nächste Version aber aus einem ‘rolling release’ abgeleitet wird, bin ich hier zuversichtlich - werde aber sicherlich berichten.

Und wenn alle Stricke reißen und ich doch was Neueres brauche … dann kann ich immer noch “vor der Zeit” auf Testing aktualisieren …

 

weitere Artikel