EMV-Messung am Solarregler im Reisemobil - Teil 1
veröffentlicht am 26.02.2026 - aktualisiert am 27.02.2026 mit 825 Worten - Lesezeit: 4 Minute(n) in * MEDIEN * REISEN * WOHNMOBILE *
Inhaltsverzeichnis
In diesem Artikel (Solarregler im Reisemobil sind eine EMV-Seuche …) habe ich im letzten Sommer beschrieben, wie sich die Solaranlagen auf dem Dach meines Iveco beim Kurzwellen-Empfang störend bemerkbar machen.
Heute herrscht hier sonniges und warmes Wetter - willkommene Gelegenheit, mich mal “messtechnisch” mit dem Phänomen auseinander zu setzen.
Ermittlung der Art der Störungen
Etwas Theorie
Grundsätzliches zu EMV-Störungen habe ich schon im letzten Artikel beschrieben im Abschnitt “Begriffsbestimmungen”. Aber wie stelle ich nun fest, wo und in welcher Weise störende Signale auftreten? Diese Kenntnis ist fundamental, will man die Störungen gezielt bekämpfen.
Eine große Hilfe ist dabei die Beschreibung des Funkamateurs Hanspeter Blättler HB9BXE (Quellen). Dort wird im Kapitel 7 die Erfassung leitungsgebundener Störungen beschrieben - und die Unterscheidung zwischen Gleich- und Gegentaktstörungen. Diese Unterscheidung ist später wichtig bei der Wahl der passenden Entstörmittel.
Praktische Umsetzung - der Messaufbau
Für die Erfassung der Störungen nutze ich den im letzten Artikel bereits vorgestellten Empfänger vom Typ SDRplay RSPdx-R2 (Quellen), als “Antenne” dient mir ein Meßadapter dieser Art:

Die Spule ist realisiert durch einen Ferrit-Ringkern mit aufgebrachter Wicklung aus Kupferlackdraht - fertig zu beziehen z. B. bei Pollin.

- 50Ohm-Messkopf für leitungsgebundene Störungen
Der Adapter wird mittels ca. 40cm Koaxialkabel (BNC-Anschlüsse) mit dem Empfänger verbunden, dieser wiederum per USB-Kabel mit dem Laptop, auf dem die Steuersoftware läuft.

- SDR-Empfänger SDRplay RSPdx-R2
Praktische Umsetzung - die Messparameter
Der Empfangsbereich liegt zwischen 2,5 und 9,5 MHz und ergibt sich aus den Beobachtungen aus der Praxis, wie sie im vorigen Artikel beschrieben wurden.
Hier zusammenfassend die Meßparameter bzw. Einstellungen:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Empfänger | SDRplay RSPdx‑R2 |
| Mittenfrequenz | 6,0 MHz |
| Frequenzbereich | 2,5–9,5 MHz |
| Span | 8000 kHz |
| FFT | 8192 Pts |
| RBW | 976,56 Hz |
| Detektor | RMS |
| Referenz | 50 Ω |
Die gewählten Messparameter stellen einen guten Kompromiss zwischen Übersicht und Detailauflösung dar. Mit einem Frequenzbereich von 2,5 – 9,5 MHz wird genau der in der Praxis relevante Kurzwellenbereich abgedeckt, in dem die Störungen im Fahrbetrieb beobachtet wurden. Die Mittenfrequenz von 6,0 MHz ergibt sich daraus direkt und erlaubt eine symmetrische Darstellung des gesamten interessierenden Spektrums.
Die FFT‑Länge von 8192 Punkten führt in Verbindung mit dem gewählten Span zu einer RBW von knapp 1 kHz. Diese Auflösung ist ausreichend, um sowohl breitbandige Störanteile als auch schmalbandige Linien und Harmonische sichtbar zu machen, ohne das Spektrum unnötig „unruhig“ erscheinen zu lassen.
Als Detektor wird bewusst RMS verwendet. Ziel der Messungen ist nicht die Ermittlung normativer Spitzenwerte, sondern die vergleichende Bewertung des Störpegels unter unterschiedlichen Betriebs- und Beschaltungszuständen. Der RMS‑Detektor liefert hierfür ein gut reproduzierbares Maß für die tatsächlich im Empfänger wirksame Störleistung.
Die Referenzimpedanz von 50 Ω entspricht der Anpassung des verwendeten Messadapters sowie des Empfängereingangs und ermöglicht eine konsistente Vergleichbarkeit aller Messungen.
Messungen
Ich gebe hier jeweils das gemessene Spektrum wieder, darunter jeweils eine Tabelle mit den Konfigurationsdaten. Die Bezeichnungen 1‑Draht / 2‑Draht beziehen sich auf die Messmethode, dabei bedeutet:
- 1 Draht: die Plusleitung wird durch den Ringkern geführt, die Minus-Leitung verläuft außen vorbei: Erfassung der Gegentakt‑Störanteile eines Leiters.
- 2 Draht: beide Leitungen (Plus und Minus) werden durch den Ringkern geführt: Erfassung des Gleichtakt‑Anteils beider Leiter gemeinsam.
Nullmessung
Zu Beginn wird eine “Nullmessung” durchgeführt, also der Grundpegel ermittelt, der im Idealfall alleine durch Empfängerrauschen, aber keinerlei sonstigen Störungen, bestimmt wird.

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| — | 0 | Ringkern “im freien Raum” |
Solarseite

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| Solar | 1 Draht (Gegentakt) | laufender Kühlschrank |

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| Solar | 2 Draht (Gleichtakt) | ohne Kühlschrank |

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| Solar | 2 Draht (Gleichtakt) | laufender Kühlschrank |
Batterieseite

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| Batterie | 1 Draht (Gegentakt) | ohne Kühlschrank |

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| Batterie | 1 Draht (Gegentakt) | laufender Kühlschrank |

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| Batterie | 2 Draht (Gleichtakt) | laufender Kühlschrank, Solarpanel abgedeckt, Suchbetrieb |

| Anschluss | 1/2-Draht | Messbedingungen/Last |
|---|---|---|
| Batterie | 2 Draht (Gleichtakt) | laufender Kühlschrank, Solarpanel frei, Normalbetrieb |
Fazit
Der Regler sendet relativ unbeeindruckt von der äußeren Meßschaltung und auch von der Last (Kühlschrank an/aus) seine Störungen aus:
- sowohl auf der Solar- wie auch der Batterieseite unterscheiden sich die Spektren lediglich im Bereich unterhalb 3,5MHz hinsichtlich der Tatsache, ob Gleich- oder Gegentaktstörung vorliegt.
- Interessant ist das doch erhebliche Störpotential bei abgedeckten Solarpanels - hier befindet sich der Regler lediglich im “Suchmodus”, prüft also, ob auf der Solarseite hinreichend Spannung/Strom anliegt, um vom stromsparenden Standby (praktisch ohne Störungen) in den Leistungsbetrieb überzugehen.
- den Betriebszustand des Kühlschranks habe ich notiert, um festzustellen, ob die Störungen leistungsabhängig sind (bei laufendem Kühlschrank ist auch bei weitgehend voller Batterie sichergestellt, daß zumindest dessen Betriebsstrom (rd. 6 A) vom Solarregler verarbeitet wird, um den Stromverbrauch des Kühlschranks zeitgleich in die Batterie einzuspeisen. Aber dies hat keinen sichtbaren Einfluss auf das beobachtete Störspektrum.
Ausblick
In Teil 2 der Serie beabsichtige ich, den zweiten Regler meiner Doppelanlage (siehe Erweiterung meiner Solaranlage) in gleicher Weise zu vermessen. Daraus ergeben sich dann für Teil 3 die Grundlagen für das weitere Vorgehen:
- Welche Art von Entstörmaßnahmen sind möglich?
- Art der Störungen
- Raumangebot
- oder ist es sinnvoller, ggf. bei größeren Unterschieden im Störverhalten, den schlechteren der beiden Regler insgesamt zu tauschen?
Quellen
- Hanspeter Blättler HB9BXE: Wir entstören unser Schalt-Netzteil
- SDRplay RSPdx-R2 Datenblatt
- Pollin: TALEMA Ringkerndrossel, 68 µH/5 A
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