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Renitente Franzosen oder verkehrte Welt?

veröffentlicht am 12.05.2020 mit 693 Worten - Lesezeit: 4 Minute(n) in * GEBRABBEL *

da dudelte gestern früh SWR Info vor sich hin, und ich dachte, ich wäre im falschen Film:

Die Franzosen seien überhaupt nicht “amused” über die Pläne der Regierung, die Restriktionen lockern zu wollen - zu früh, zu schnell …

Derweil randalier(t)en in Deutschland offenbar “Verschwörungstheoretiker” gegen eben diese Restriktionen …

Komisch, das. Früher hätte ich das anders rum erwartet … aber da war auch noch kein Internet und keine Fake-News, sondern einfach Realität.

Prof. Christian Drosten, Virologe der Charite Berlin kommentiert das so:

Die Auflösungstiefe und der Informationsgrad, den das Robert Koch-Institut jeden Tag, einschließlich Sonn- und Feiertagen, von Neuem liefert, ist so hoch – das finden Sie in dieser Qualität in kaum einem anderen Land in Europa. Aber es ist egal, man hackt trotzdem auf dem Robert Koch-Institut rum, denn letztendlich haben wir ein Luxusproblem in Deutschland. Die Intensivstationen sind leer und damit scheint es das ganze Problem ja gar nicht zu geben.

Derweil sucht die New York Times fehlende Tote: Gemessen an den saisonal üblichen Sterbefällen sind in vielen Ländern die Sterbezahlen erheblich gestiegen.
Selbst wenn man davon die offiziell gemeldeten Corona-Toten abzieht, bleibt immer noch eine im Vergleich über die Jahre zu hohe Zahl an Toten. Das läßt nur eine Schlußfolgerung zu: die gemeldeten Corona-Toten-Zahlen scheinen immer noch zu niedrig zu sein …

Zurück zu den Protesten in Deutschland: Gabor Steingart listet in seinem Morning Briefing Newsletter Persönlichkeiten auf, die sich hier einreiht: Philosoph Professor Julian Nida-Rümelin und Professor Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, werden ausführlich zitiert.

Nocheinmal Prof. Drosten, diesmal am 22. April:

Wir müssen uns einfach klarmachen, die Politik braucht zwei Kriterien, um Distanzierungsmaßnahmen einzuführen. Erstens müssen bestimmte Bilder sichtbar sein, die zeigen, wie ernst die Lage ist, also die Überforderung der Intensivmedizin. Das findet häufig in Form von Fernsehbildern statt, wo man sich einfach denkt: Ganz klar, das wollen wir bei uns nicht haben, diese Situation. Und dann ein zweiter Eindruck: Das Problem ist jetzt auch bei uns im Land schon angekommen. Das Virus ist bei uns, das wird nicht nur eingeschleppt. Wir können hier nicht durch Grenzschließungen was machen, sondern wir haben das schon im Land. In vielen Ländern war der erste Eindruck, den Politiker darüber hatten, dass man das schon ernsthaft im Land hat, dadurch, dass schon Todesfälle da waren. Und plötzlich werden es immer mehr Todesfälle. Und jetzt so langsam muss man es ernst nehmen. Nur, diese Todesfälle haben eine Verzögerung von einem Monat gegenüber den Infektionen. Es dauert, bis man stirbt.

und etwas später:

Dieser Eindruck, wir haben Verstorbene an diesem Virus, das war in vielen Ländern eigentlich das erste Anzeichen. Da hatte man aber schon einen Monat verpasst. In Deutschland haben wir diesen Monat nicht verpasst, weil wir so früh und so breit mit der Diagnostik begonnen haben. Wir haben in Berlin im Januar angefangen, das einzuführen. Wir hatten Ende Januar alle Unikliniken so weit, dass sie das konnten, hier über den Kollegenkreis der Uniklinik Labore und dann aber auch ganz schnell die niedergelassenen Labore. Die haben schnell mitgezogen und waren dann die treibende Kraft.
(…)
Ein Kollege aus Baden-Württemberg rief mich an und sagte: „Wir haben übrigens nicht nur diesen einen importierten Fall, sondern weil unsere Labore das können, haben wir an vielen verschiedenen Stellen einfach mal angefangen, parallel zur Influenzatestung im Labor einen SARS2-Test mitlaufen zu lassen. Und wir haben plötzlich bei den ersten drei Patienten einen dabei, den man als Zufallsbefund in der Influenzatestung im eigenen Land hatte. Der nichts mit dem eingeschleppten Fall und der daraus folgenden Übertragungskette zu tun hatte.“ Dadurch entsteht ein ganz anderer Eindruck, wenn man plötzlich merkt, das zirkuliert hier schon bei uns im Land. Das hat denselben Informationswert wie in anderen Ländern, Italien, England, Frankreich der Eindruck: Wir haben auf einmal Verstorbene. Das ist dieselbe Information.

Und so kam es also zu dem oben genannten “Luxusproblem” …
In Deutschland wurde also zu früh reagiert - Folge: zu wenige Tote - Folge: “Verschörungstheorien” …

Sollte also, was ich nicht hoffe, auf Grund einer zu schnellen Lockerung die Situation doch noch schwierig werden, dann würde ich gerne beobachten, wie schnell sich dann die o. g. Persönlichkeiten wegducken und nie was gesagt haben wollen …

 

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